Nachtmusik (gelesen von lylo)

Der Frühling ist noch jung
sein Grün noch lang nicht
satt -so zart wie's erste
Blatt geigt einsam schon
ein Grillenmann sein Solo

in die warme Nacht. Noch
kann die Stille triumphieren
wenn er ruht, doch nicht
mehr lang. Dann wird ein
Chor aus Streichern in

Straßenrands Orchester-
graben sein und der Ruhe
heller Monde trotzen. Erst
wenn die Grasmücke den
Tag mit ihrem Ruf begrüßt

dann ruht am Halm der
Bogen, und studiert zwölf
Stunden lang der Sechs-
bebeinte seine Noten für
die nächste dunkle Nacht


© Beatrix Brockman.

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Companion Piece

I.

Schlägst meine Schenkel auf
wie ein Buch
drin zu lesen
bis in eine Mitte
Presst Blumen zwischen
meinen Blättern
Wirst selbst zum
Blatt im Blatt
Zum Strauß in meiner Vase
Zum Barbarazweig
der mir im Dezember blüht


II

Braun säumen
Blatt und Blüten
den Fuß der Vase
auf dem Tisch
zerrinnen zwischen Fingern
wie der Moment
in dem ihr Kelch
im Licht
von Kerzen jauchzte

© Beatrix Brockman

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Der Tag der herbsten ist (gelesen von lylo)

Wenn rotgold belaubt
Du herbsten mich
In deine Äste nimmst
Und meinen Sommer
Tief in deinen Säften spürst
Dann ist dein Winter
Fern und soll es bleiben
Wie auch der Schnee
In deinem Haar

Und scherzen wir auch stets
Verdrängen ihn - den Abend
In meinem frühen
Deinem späten Nachmittag
Wirft er doch Schatten
Schon in lichte Stunden
Wie auch dein Herbst
Die Blätter schon verliert


© Beatrix Brockman
31.10.2007

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Ernte Mich (gelesen von Lylo)

Ernte mich mit
der Sichel des Mondes
will dir Korn wie
Strohbett sein
Meine Feuer sollen
dich wärmen
und meine Asche
dich sicher geleiten
auf eisigem Pfad


© Beatrix Brockman

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Fehl(ge)Wort

Verkrüppelt
sterben meine Worte
schon im Leib der Gedanken
Erreichen nie den Geburtskanal
zwischen Stimmband und Lippen

Ungeboren versteinern
sie dann entweder in
der Gebärmutter
meines Gehirns
oder sie werden fehlgeboren

ins kalte Licht
der Unzulänglichkeit
Den Beweis fuer
die Unfruchtbarkeit des
eigenen Genius manifestierend



© Beatrix Brockman
17.09.2007

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